Stressberatung und Entspannungsmethoden
Ich leide unter Dauerstress. Ist eine Stressberatung für mich sinnvoll?
Ja. Chronische Belastungen aus dem beruflichen, familiären oder gesundheitlichen Kontext können
zu körperlichen Stressreaktionen führen. In der Stressberatung werden - an Hand
des Modells der Stresswaage - Stressfaktoren herausgearbeitet, Gedanken und Einstellungen
hinterfragt, persönliche Ressourcen genutzt und positive Bewältigungsstrategien eingeübt. Im
Ambulatorium Nord übernimmt, unter anderen, Fr. Mag. Somweber diese wichtige Aufgabe.
Warum sollte ich eine Entspannungsmethode erlernen?
Seelische und körperliche Entspannung sind durch die sich verändernden Anforderungen des
modernen Lebens in den letzten Jahrzehnten immer wichtiger geworden, um leistungsfähig
und gesund zu bleiben. Gleichzeitig ist solche psychosomatische Entspannung
durch die sich verändernden Lebensbedingungen aber auch immer schwerer ohne systematische Methoden zu erreichen.
Schon in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts sind mit dem Autogenen Training (AT) von
Johannes Heinrich Schultz in Deutschland und mit der Progressiven Relaxation (PR) von
Edmund Jacobson in den U.S.A. zwei systematische Entspannungsmethoden entwickelt worden,
die sich in den vergangenen Jahrzehnten vielfach bewährt haben. Auch heute noch sind diese
beiden Entspannungsmethoden für viele Menschen die erste Wahl, um psychosomatische Entspannung zu erreichen.
Zwar hat sich nichts am Wesen der körperlichen und seelischen Entspannung geändert
und deshalb können AT und PR auch weiterhin bei den meisten Menschen wirksam sein,
wenn sie sorgfältig erlernt und regelmäßig geübt werden. Gerade damit haben aber immer
mehr Menschen in diesen zunehmend hektischen und vielfältig belastenden Zeiten
Schwierigkeiten. Oft dauert es ihnen zu lange, bis sie nicht nur körperliche, sondern
auch psychische Entspannung mit AT oder PR erreichen, oder die Entspannung sich
zuverlässig auch in einer besonders angespannten Verfassung wohltuend bemerkbar
macht, und sie erlernen und üben daher AT oder PR zu nachlässig, um den gewünschten
Erfolg zu erzielen. Häufig sehen sie auch zu wenig äußere und innere
Gelegenheiten, um sich die Zeit für ein AT oder eine PR zu nehmen. Manche
sprechen auch auf das Prinzip der Autosuggestion beim AT oder dem Kontrasterleben
von Spannung und Entspannung bei der PR nicht gut an oder aber umgekehrt so
unkontrolliert stark, dass sie dieses ungewohnte und undosierte Erleben
befremdet oder sogar ängstigt.
Könnte Progressive Muskelrelaxation (PR) das richtige für mich sein?
Bei der progressiven Muskelentspannung (auch: progressive Muskelrelaxation,
kurz PMR oder progressive Relaxation, kurz PR, oder Tiefenmuskelentspannung) nach
Edmund Jacobson handelt es sich um ein Verfahren, bei dem durch die willentliche
und bewusste An- und Entspannung bestimmter Muskelgruppen ein Zustand tiefer Entspannung
des ganzen Körpers erreicht wird. Dabei werden nacheinander die einzelnen
Muskelpartien in einer bestimmten Reihenfolge zunächst angespannt, die Muskelspannung
wird kurz gehalten, und anschließend wird die Spannung gelöst. Die Konzentration
der Person wird dabei auf den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung gerichtet
und auf die Empfindungen, die mit diesen unterschiedlichen Zuständen
einhergehen. Ziel des Verfahrens ist eine Senkung der Muskelspannung
unter das normale Niveau aufgrund einer verbesserten Körperwahrnehmung. Mit
der Zeit lernt die Person, muskuläre Entspannung herbeizuführen, wann
immer sie dies möchte. Zudem können durch die Entspannung der Muskulatur
auch andere Zeichen körperlicher Unruhe oder Erregung reduziert
werden, wie beispielsweise Herzklopfen, Schwitzen oder Zittern. Darüber
hinaus können Muskelverspannungen aufgespürt und gelockert und damit
Schmerzzustände verringert werden.
Was ist das Autogenes Training (AT)?
Das Autogene Training ist eine auf Autosuggestion basierende Entspannungstechnik
und wurde vom Berliner Psychiater Johannes Heinrich Schultz entwickelt. Die
Entspannung ist im Autogenen Training Mittel und Weg zur Ruhe und verlangt
eine innere Hingabe an bestimmte Übungsvorstellungen. Autogenes Training ist
eine Methode der Selbstentspannung, die auf der Erkenntnis beruht, dass
durch die systematische und wiederholte Vorstellung sogenannter Formelsätze
ein Zustand körperlicher Entspannung erreicht werden kann, der – nach
einiger Übung – automatisch eine psychische Entspannung und Erholung nach sich
zieht. Damit kann das Autogene Training jedem helfen, sich schneller und
gezielter in bestimmten Situationen (wie etwa Belastungssituationen) zu
entspannen und Kräfte für die Situationsbewältigung zu sammeln. Der
Erholungseffekt des Autogenen Trainings wird aber auch allgemein
(d. h. nicht nur in Belastungssituationen) als positiv erlebt und
kann das Allgemeinbefinden auf die Dauer verbessern und stabilisieren.
Die Grundstufe des Trainings wendet sich an das vegetative Nervensystem
und besteht aus 6 Übungen, die Veränderungen der Muskel- und Gefäßspannung
bewirken und in folgenden Stufen trainiert werden: (1) Erleben der
Schwere, (2) Erleben der Wärme, (3) Herzregulierung, (4) Atmungsregulierung,
(5) Bauchwärme und (6) Stirnkühlung. In einem Zeitraum von sechs bis acht
Wochen wird das Training 1 x wöchentlich unter Anleitung eines
Psychologen geübt und erlernt. Die Übungen müssen in diesem Zeitraum
mindestens 2 x täglich trainiert werden, damit eine Konditionierung
eintreten kann und Einfluss auf das vegetative Nervensystem genommen
werden kann.
Psychosomatisches Kurz-Entspannungstraining (PSE) kenne ich nicht ... was ist das?
Um für die meisten Personen eine für sie praktikablere
Methode zur seelischen und körperlichen Entspannung zu bieten,
wurde das neuartige Psychosomatische Entspannungstraining PSE von Thomas Welker entwickelt. Das
Psychosomatische Entspannungstraining (PSE) enthält nicht nur verschiedene, sondern auch
verschiedenartige Einzelübungen. Unterschiedliche Zugänge zur psychosomatischen
Entspannung werden ermöglicht, denn PSE beruht auf mehreren Entspannungsprinzipien für
psychische Entspannung und mehreren Entspannungsprinzipien für körperliche Entspannung,
statt auf einem für psychische und körperliche Entspannung gemeinsamen, einheitlichen
und alle Übungen durchziehenden Entspannungsprinzip, wie dies das Prinzip der Autosuggestion
beim Autogenen Training und das Prinzip des Kontrasterlebens von Spannung und Entspannung
bei der Progressiven Relaxation darstellt. Das PSE enthält nicht nur Übungen zur
Entspannung im Sitzen und Liegen, sondern auch zur Entspannung im Stehen, so
dass sich schon deshalb mehr äußere Gelegenheiten zur Entspannung damit bieten. Einige
einzelne PSE-Übungen und Teilkombinationen können ohne besondere Vorkehrungen,
für andere unmerklich und ohne nennenswerten zeitlichen Aufwand im Alltag
zwischendurch verwendet werden. Alle PSE-Übungen können auch einzeln oder
in verschiedenen Teilkombinationen flexibel der persönlichen Ansprechbarkeit,
Situationsanforderungen und Bedürfnissen entsprechend eingesetzt werden, wenn
keine so umfassende Entspannung erforderlich ist, wie sie durch das PSE insgesamt
oder andere Teilkombinationen für tiefere Entspannung erzielt werden können.
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